Willkommen im User-Forum von mailbox.org
 

Spamfilter vs. GMX und Gmail

8622792 hat dies geteilt, 2 Jahren her
veröffentlicht

Spam scheint mir bei Mailbox.org ein kleines Reizthema zu sein und ich habe gesehen, dass hier schon heftigst diskutiert wurde. Mein Eindruck ist, dass Peer Heinlein ein absoluter Experte in diesem Feld ist und dafür habe ich großen Respekt. Ich bin allerdings der Meinung zwischen den Zeilen manchmal auch eine Prise Arroganz zu lesen. In einem Foren-Beitrag von vor ca. einem Jahr, schrieb Heinlein, dass er die Dunkelziffer für falsch deklarierte Spammails auf ca. 1 zu 100.000, intern auf 1 zu 1 Mio. schätzt. Emails werden demzufolge nur ganz begrenzt nach Inhalt und hauptsächlich nach technischen Kriterien bewertet. Also nur Rolex oder Viagra zu schreiben, lässt eine Email nicht automatisch abblitzen. Auf die Erlebnisse von Kunden, die von verlorengegangenen Emails berichtet haben, wurde nicht weiter eingegangen.


Ich befinde mich gerade im Dilemma den richtigen Email-Anbieter zu wählen. Von GMX, der Bild-Zeitung der Email-Anbieter, will ich jedenfalls weg. Jedoch möchte ich in keinem Fall wichtige Emails verpassen - das ist meine allererste Priorität noch vor NSA- oder Werbe-Analyse-Bedenken.


Also habe ich kurzerhand einen Selbstversuch unternommen und folgende Email verfasst:


Betreff: now or never

Inhalt:

sex viagra rolex http://www.ddkksj.vu


order now.


Die Email habe ich dann an eine Gmail-, GMX-, Posteo- und Mailbox.org-Adresse geschickt. Und zwar bewusst von einem ausländischen Server (mail.com).

Und hier das Ergebnis: Posteo und Mailbox.org haben die Email direkt abgewiesen. Bei Gmail und GMX landete sie im Spam-Ordner.

Für mich war die Antwort ("mail delivery failed") von Mailbox.org und Posteo ein Haufen technisches Mambojambo. Bei Mailbox.org kam wenigstens noch an einer Stelle das Wort "spam" vor, sodass man sich vielleicht noch denken kann, dass meine Email aufgrund von Spamverdacht geblockt wurde. Auf den ersten Blick sah es für mich als Laien aber so aus, dass die Empfängeradresse garnicht existiert, oder dass der Empfänger-Server down ist.

Bei GMX hätte ich später den täglichen Spam-Report in mein normales Postfach bekommen, sodass mir die falsch gefilterte Email aufgefallen wäre. Bei Gmail wäre sie vielleicht im Spam-Ordner ewig unentdeckt geblieben - was mir aber immer noch lieber wäre, als die Email garnicht zu bekommen. Für mich als Privatanweder gibt es auch keine Haftungsbedenken bei vermeintlich zugestellten Emails (wie beim im anderen Topic genannten Rechtsanwalts-Beispiel).


Jetzt muss ich zugeben, dass mein Test etwas künstlich war. Ich würde normalerweise keine Email mit diesem Format/Inhalt schicken. Aber es widerspricht nach meiner Auffassung auch dem, was Mailbox.org hier immer wieder beteuert hat - dass Inhalt keine so große Rolle spielt. Kein Inhaltsfilter ist perfekt und vielleicht will ich ja eines Tages wirklich mal einen Freund über Sex, Viagra und Rolex aufklären. Für mich grenzt der Filter an Zensur.


Ich mag die konstruktivien Diskussionen bei Mailbox.org und die Offenheit des Unternhmens. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, diesen Beitrag zu schreiben. Andernfalls hätte ich wohl einfach stumm zu einem großen amerikanischen Anbieter gewechselt. Danke an dieser Stelle auch nochmal an Mailbox.org und Herrn Heinlein für den Einsatz für Datenschutz und Meinungsfreiheit.

Kommentare (6)

Foto
1

Also vorweg: In wenigen Tagen kannst Du es Dir auch bei uns in einen Spamfilter filtern lassen. wenn Du möchtest, richte ich Dir das schon jetzt ein, es fehlt nur ein Bug in der GUI. Am Ende kann es mir persönlich egal sein, ob Leute den Spamfolder besser finden, oder nicht. Ich muß anderen meine Meinung nicht auzwingen und jeder kann die Welt sehen, wie er es möchte. Ich habe meine Meinung dazu und wer fragt kriegt die als Antwort. Und natürlich bauen wir Systeme zunächst so, wie wir es für richtig halten.

Zum anderen:

Ich habe als Gutachter schon an Prozessen gutachterlich mitgewirkt, bei dem am Ende Privatpersonen den Schaden durch den Spamverdachtsfolder waren (genaugenommen hatten die geklagt und dann selbst deswegen verloren). Das hat mit Business/Privat nichts zu tun.

Desweiteren: In die Bewertung einer E-Mail geht *sehr* vieles ein. Auch eine kurze 1-Zeiler Mail mit Link ist per se "spamverdächtig". Du hast in Deiner Testmail auch andere Kriterien gesetzt, die bei jedem (!) üblichen Spamfilter entsprechende Scorings auslösen. Man könnte fast sagen: Eingebettet in eine normale, lange inhaltlich orientierte Mail hätte eine Mail mit Dein Betreff vielleicht sogar auch zugestellt werden können. Aber deine Mail ist definitiv nicht rausgefilter worden "nur weil" sie diesen Betreff hatte. Spamfilterung ist einfach, aber komplex. :-)

Zensur wäre die Unterdrückung unliebsamer Inhalte. Ausgerechnet unsere Spamfiltersysteme schauen übrigens (anders als andere) vor allem auf technische Merkmale und WENIGER auf inhaltliche Merkmale, als das anderswo der Fall wäre. Kann man natürlich trotzdem Zensur nennen, ist für mich persönlicher aber ein schwieriger Begriff: Seit > 30 Jahren kämpfe ich für Gedanken- und Meinungsfreiheit und hatte als Journalist viele Fälle, wo *wirklich* Zensur stattfand. Aber, okay, das sehe ich persönlich im Wording halt stark belastet, das können andere anders sehen. Das Wort "Bevormundung" würde ich Dir durchgehen lassen :-)

Schwierig ist natürlich, daß ausgerechnet der große amerikanische Anbieter nun WIRKLICH stark in Deine Inhalte eingreift und über massive inhaltliche Bewertungen entscheidet, was Du siehst und was Du nicht siehst. Ich gehe nicht soweit zu sagen,daß das (derzeit?) inhaltliche Zensur in Form von gelenkter Meinungsbildung ist. Aber man hat ja auch an den Facebook-Diskussionen durchaus gesehen, wie diese Mega-Maschinen Google- und Co durchaus die Meinungsbildung und das (Pseudo-) Faktenwissen beeinflussen. Das kommt für mich an Zensur- und Bevormundung stark dran, weil es eben nicht nur auf alleine objektiven Kriterien basiert.


Daß es für Dich den Eindruck hat, daß die Empfängeradresse nicht existiert: Dies liegt unlösbar am technischen SMTP-Protokoll zum Mailversand. Eine solche Mailablehnung erfolgt sinnvollerweise nach dem RCPT TO-Kommando statt (darum wird das da erwähnt), aber das heißt nicht, daß es tatsächlich etwas mit einem Empfänger zu tun hat.

Foto
1

Da mir dieses Thema auch unter der Nägeln brennt: Habe ich, sobald das neue "Spammanagement" freigegeben wurde, 100% selbst die Kontrolle? Oder werden auch dann noch Mails von euch "unter gewissen Umständen" abgewiesen?

Foto
1

Ich habe mir auch länger die Frage gestellt ob ich zu MBO will. Nicht wegen der Philosophie oder dem Team (gerade das hat mich bewegt hier immer wieder herumzugravitieren und einen ungenutzten Account zu bezahlen um immer mal wieder reinzugucken), sondern v.a. wegen des Spamfilters (und dem bislang gewohnten MS-Exhange Komforts der etwas über OX liegt/lag, aber das ist was anderes):

- "Will ich darauf achten müssen ob wichtige Mails ankommen oder nicht und dann mit dem Support reden was ein paar Tage dauern kann?"

Und

-"Wenn ichs der hypothetischen Airline schreibe dass ihr Mailserver falsch konfiguriert ist, gerate ich wahrscheinlich eher an wen der nicht weiß was er mit der Info anfangen kann, als an jemanden der das zeitnah angeht".

Vor MBO war ich bei einem anderen Anbieter (Hosted Exchange) die ein Spamgateway vorne rangestellt haben, das man als Kunde selbst verwalten konnte und musste (HostedEx ist ja eher Businessuser als privatanwender, also hier alle Möglichkeiten - aber auch Verantwortung ). Verwaltet hab ich hierbei nur 4 Postfächer.

Irgendwann dann, als ich das 4. Jahr in folge meinen täglichen spamauszug überflogen habe, hats dann mal "Klack" gemacht und mir wurde klar, wie ich zu dieser Thematik stehe.

Diese Spamreports und Spamordner von den "Normaluseranbietern" (nicht böse gemeint) gaukeln einem auch nur vor "Kontrolle" über die eingehende Mails zu haben. Wenn man mal so ein Mailgateway administriert oder täglich Logs lesen "darf", was denn alles abgewiesen wird und wieviel Müll täglich auf eine E-Mail Adresse prasselt, merkt man, dass auch GMX, GMail und Konsorten einem (glücklicherweise) nicht "die ganze Wahrheit" erzählen. Man sieht nur die Spitze des Eisberges die es dann heuristisch in den Spamordner schafft (oder eben nicht).

Der Unterschied, zwischen MBO und anderen ist , so wie ich ihn für mich sehe, weniger die Tatsache dass Mails abgelehnt werden sondern eher wie hoch/niedrig die Messlatte ist wann abgelehnt wird. Und eben dass nicht versteckt in einem Spamordner sortiert wird. Liegt das Zeug jetzt im Spam oder der Inbox - drüberlesen muss ich sinnvollerweise eh.

Letztendlich bin ich aus Spamsicht sehr glücklich hier. Ich weiß was vorher ankam und falsch/richtig klassifiziert wurde, ich sehe was jetzt durchkommt, das, bis auf einzelne spammails die durchkommen, soweit richtig ist und ich nichts vermisse.

Für mich funktioniert es also bislang extrem gut und Das tägliche Quarantänereport lesen vermisse ich kein bisschen ;)

Zum Thema 100% Kontrolle bei der Maileingangsüberprüfung kann ich für mich nur sagen: OMG, bitte auf keinen Fall mehr.

-----

Abschließend: Einen wirklichen Punkt hat mein Beitrag leider nicht, aber vielleicht hilft dir meine Erkenntnis ja ein wenig für die eigene Meinungsbildung.

P.S. Langer Text, im Zug, am Handy. Tippfehler bitte ich zu entschuldigen

Foto
1

Danke für die schnelle Antwort. Ich freue mich auf den neuen Spamfilter. Wenn es wirklich möglich ist, würde ich mich auch freuen diesen in der Beta-Version zu testen.


Ich muss sagen, dass das GMX-System (offensichtlichen Spam von vornherein abblocken, verdächtigten Spam in den Spamordner + Spam-Report, wo man nur noch Absender und Betreff überfliegen muss) ca. 15 Jahre lang für mich super funktioniert hat. Stimme Alexander S. in soweit zu, dass ich die Messlatte bei Mailbox.org zum generellen abblocken auch zu hoch finde (jedenfalls auf diese eine Stichprobe bezogen).

Foto
1

Von meiner Warte: Danke für den gut geschriebenen Themenpost.

Zur Messlatte hast du mich falsch verstanden (oder ich mich falsch beschrieben ;)). Ich sehe sie zwar als höher, aber für mich ist diese Höhe aktuell ziemlich perfekt. Ich weiß was vorher durchkam, ich sehe was jetzt nichtmehr durchkommt. Ich weiß was bevor ich Mailbox.org war hängen blieb (False-Positive), sehe dass dies hier nichtmehr passiert.

Den wenigen Spam der bei mir jetzt noch durchrutscht, kann ich auch aus der Inbox löschen, da brauch ich keinen zweiten Ordner den ich ebenfalls noch durchgehen muss (ob jetzt ein Ordner oder zwei - da ist mir nur einer in dem Fall lieber).

Das Gefühl von "Kontrollverlust" stellt sich hier bei mir nicht ein.

Also für mich funktionierts gut - kann aber auch verstehen, dass man da gewissen Unmut oder Unsicherheit hat.

Foto
1

Es bleibt also wolkig und unverbindlich ... ?!

Foto